Titel: Bürgermeister Ludwig gratulierte Zeitzeugen Ernst Fettner zu seinem 100. Geburtstag - BILD


Datum/Zeit: 06/04/2021 12:06 PM


Meldungstext: OTS090 5 CI 0687 NRK0009 04.Jun 21

Kommunales/Wien/Zeitzeuge/Human Interest

Bürgermeister Ludwig gratulierte Zeitzeugen Ernst Fettner zu seinem
100. Geburtstag - BILD
Utl.: Der Stadtchef empfing den Jubilar im Wiener Rathaus. Noch
heute ist Fettner, der auch Träger des Goldenen
Verdienstzeichen des Landes Wien ist, als aktiver Zeitzeuge
tätig =

Wien (OTS/RK) - „Ernst Fettner hat eine sehr schmerzhafte, aber zum
Teil auch sehr erfreuliche Biographie. Die schmerzhafte liegt in
unserer furchtbaren Geschichte, dass das Nazi-Regime seine Familie
verfolgt hat. Er hat seinen Vater und zwei seiner Geschwister
verloren, musste mit 17 Jahren nach England flüchten und ist
schließlich nach Schottland gekommen. Von hier aus wollte er
mitwirken, seine frühere Heimat zu befreien“, so Bürgermeister
Michael Ludwig, der diese Woche den Jubilar im Rathaus willkommen
geheißen hat und ihm persönlich zu seinem runden Geburtstag
gratulierte sowie auch die Ehrengaben der Stadt Wien überreichte.

„Er ist dann mit den britischen Truppen über die Normandie wieder
zurück nach Österreich gekommen und hat mitgeholfen, Österreich vom
Nazi-Regime zu befreien. Das ist besonders bemerkenswert, denn er hat
damit auch mitgeholfen, dass es in unserem Land wieder eine
Demokratie gibt, dass wir wieder frei und ohne einer furchtbaren
Diktatur wie dem NS-Regime leben können“, so Bürgermeister Ludwig.
„Und man kann nicht oft genug daran erinnern, dass das keine
Selbstverständlichkeit ist, sondern mutige und tüchtige Menschen
erfordert hat, die sich in eine Gefahrensituation begeben haben und
gegen dieses unmenschliche Regime aufgetreten sind. Die Biographie
von Ernst Fettner erfüllt mich mit großem Respekt", so Ludwig.

„1939 in der Emigration in England habe ich mich der freien
österreichischen Bewegung ,Young Austria‘ angeschlossen“, erzählt
Ernst Fettner heute. Mit der British Army kam er zu Kriegsende wieder
zurück nach Österreich. Für seinen Einsatz erhielt er drei Medaillen.
„Unser Ziel war es, es besser zu machen“, begründet Fettner, warum er
in seine „alte Heimat“ zurückgekehrt ist. „Es war unser Ziel, ein
anderes Österreich aufzubauen. Nie wieder Faschismus.“ Dafür tritt
Fettner auch heute noch mit Entschlossenheit ein – als aktiver
Zeitzeuge, der jungen Menschen von seinen Erlebnissen und
schrecklichen Erfahrungen in der Zeit des NS-Regimes berichtet.

Ernst Fettner wurde am 29. Mai 1921 in Wien als zweites Kind von
Sigmund (Isak Schaje) Fettner und Rosa Fettner geboren. Seine Mutter
verstarb 1926 an einer Grippeepidemie, sein Vater heiratete kurze
Zeit später Rosa Katz, mit der er drei weitere Kinder hatte. Seine
ältere Schwester Waly (Valerie) emigrierte als erstes
Familienmitglied mit Hilfe einer zionistischen Bewegung nach
Palästina. Lily, eine Halbschwester, entkam den Nazis mit einem
Kindertransport und lebt heute in Kanada. Sein Vater sowie zwei
seiner Halbgeschwister wurden im KZ Maly Trostinec ermordet.

Ernst Fettner wurde verhaftet, obwohl noch ein halbes Kind, des
Widerstands beschuldigt und sechs Wochen lang festgehalten. Im
letzten Moment konnte er kurz nach dem Anschluss Österreichs an
Deutschland mit 17 Jahren Österreich verlassen und nach England
flüchten.

Ohne Sprachkenntnisse oder Ausbildung wurde er nach Nordschottland
verschickt. Er arbeitet auf einer Farm, später auch als Schweißer.
Mittlerweile eignete er sich Sprachkenntnisse an und knüpfte
Verbindungen zum Free Austrian Movement und Young Austria in Glasgow.
Er wurde politisiert, verwarf die Idee nach Israel zu gehen und
widmete sich stattdessen dem Ziel an der Befreiung Österreichs von
der Nazidiktatur mitzuwirken.

Ernst Fettner schloss sich der englischen Armee an, kämpfte bei
der Invasion der Alliierten in der Normandie und kam mit der British
Army wieder zurück nach Österreich. Für seinen Einsatz erhielt er
drei Medaillen der British Army.

Nach Ende des Krieges arbeitet Ernst Fettner als Journalist. Er
engagierte sich in der Journalistengewerkschaft und berichtete 1968
aus Prag über den „Prager Frühling“ und den Einmarsch der
Sowjetunion.

1980 erhielt er das Ehrenzeichen für Verdienste um die Befreiung
Österreichs. 2007 erhielt Fettner das Goldene Verdienstzeichen des
Landes Wien.

Im fortgeschrittenen Alter stellte er sich als Zeitzeuge zur
Verfügung. Immer wieder faszinierte er Schulklassen durch seine
anschauliche Beschreibung der Nazigräuel und wie es dazu kam. Er
versuchte immer ähnliche Entwicklungen in vder jetzigen Zeit
herauszuarbeiten, der Jugend zu erklären, was es heißt flüchten zu
müssen und was Rassismus bedeutet.

Ernst Fettner hat zwei Söhne, sechs Enkelsöhne und zwei Urenkel.

Fotos in Kürze online auf wien.gv.at/presse. (Schluss)

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