Titel: 70. Städtetag: Festredner Harry Gatterer: „Zukunft wird lokal entschieden“


Datum/Zeit: 11/10/2021 08:54 PM


Meldungstext: OTS208 5 CI 0659 NRK0010 II 10.Nov 21

Wien/Kommunales/Städtebund/Städtetag/Gatterer

70. Städtetag: Festredner Harry Gatterer: „Zukunft wird lokal
entschieden“
Utl.: Eröffnungsreden von Landeshauptfrau Mikl-Leitner, Ministerin
Köstinger, Gemeindebund-Präsident Riedl, Grußworte von
Bundespräsident Van der Bellen verlesen =

Wien/St. Pölten (OTS) - Bei der Eröffnung des 70. Österreichischen
Städtetages in St. Pölten standen auch die weiteren Reden ganz im
Zeichen der Corona-Pandemie.

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner betonte, dass das
„Zusammenstehen gerade in Zeiten von Abstand halten“, sehr wichtig
sei; die Herausforderungen nähmen tagtäglich zu, national und
international und es gehe darum, die Städte und Gemeinden bestens
weiterzuentwickeln.“

Christian Meidlinger, Vorsitzender der Daseinsgewerkschaft – younion,
sagte, „auf die Städte ist Verlass – während der Pandemie und auch
jetzt.“ Weiters hob er die Wichtigkeit der Beschäftigten, vor allem
im Gesundheitsbereich – diese seien „am Limit“, aber auch in den
Kindergärten und in der öffentlichen Verwaltung hervor:

Bürgermeister Alfred Riedl, Präsident des Gemeindebundes, betonte das
„Managements des guten Zusammenhalts“; Städte und Gemeinden würden
seit Jahren an einem Strang ziehen – Städte und Gemeinden hätten
neben der Aufrechterhaltung der Daseinsvorsorge die Krise gut
gemanagt und seien Stabilitätsfaktoren.

Landwirtschafts- und Tourismusministerin Elisabeth Köstinger
appellierte an die Bürgermeister*innen, dass sie gerade in den
nächsten Monaten sehr wichtig seien, um die Bürgerinnen und Bürger zu
überzeugen, den 3. Stich in Anspruch zu nehmen. Es gehe in Zukunft
aber auch um Themen wie etwa Raumordnung oder Flächenverbrauch und
einen ressourcenschonenden Umgang mit diesen.

Zwtl.: Bundespräsident in Grußbotschaft: „Manager*innen des guten
Zusammenlebens“

Bundespräsident Alexander Van der Bellen, der sich aufgrund einer
Covid-Erkrankung im Homeoffice befindet, ließ eine Grußbotschaft
verlesen. „Als Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sind Sie quasi
die Managerinnen und Manager des guten Zusammenlebens“, hieß es
darin. „Gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der
Stadtregierungen und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ihrer
Magistrate halten Sie das „Werkl in den Städten am Laufen“ - Danke
dafür“, so Van der Bellen.

Zwtl.: Festredner Harry Gatterer appellierte an Eigenverantwortung
und Offenheit

Zukunftsforscher Harry Gatterer hielt in seinem Festreferat fest,
dass „wir der Zukunft wieder das Schöne zurückgeben“ müssten, das
durch die Pandemie abhandengekommen sei. Es gehe aber auch darum,
„was Zukunft ist“. Zukunft sei nicht zu verwechseln mit Inhalten, wie
beispielsweise Technologie; Zukunft sei ein „Zustand, der noch nicht
ist“. Nachhaltigkeit habe sich etwa „als Zukunft angeboten“ – das
Thema hätte bereits mit der Raumfahrt begonnen, als Astronaut*innen
über den Planeten berichteten; jetzt gebe es die „Fridays for
Future“-Bewegung, bei der Zukunft in Verbindung mit einer Generation
stehe. Und Ökologie stehe nun mit Geld in Verbindung; ein Investment
müsse jetzt ökologisch sein. Zudem sei Technologie „Gegenwart“ und
bereits Alltag, sie werde „plötzlich genutzt“. Es gelte aber auch,
die Welt in all ihren „Vernetzungen wahrzunehmen“.

Außerdem sei „Zukunft lokal“, sie habe „immer mit den Menschen zu
tun“, mit sozialer Konstruktion, zum Beispiel in einer Firma oder in
einem „Grätzl“. Und eben auch mit den Bürgermeister*innen, die vor
Ort Entscheidungsfähigkeit beweisen müssten.

Der Zukunftsforscher sprach von „drei Inseln“, in die sich Menschen
einteilen ließen – so jedenfalls das Ergebnis einer Studie mit 3.000
tiefenpsychologischen Interviews: die „Ich-Insel“, in der es um
Individualisierung des Erfolgs oder der Karriere geht; der
„konservativen Wir-Insel“, die von alten Mustern geprägt sei und der
„wachsenden Insel“ – das progressive „Wir“-Gefühl, die Kultur des
Dialogs, das Bilden einer Gemeinschaft. Als Beispiel dafür nannte er
das Thema Stadtentwicklung und auch Co-Working, Co-Living oder
Sharing in der Frage der Mobilität, die in Zukunft mehr Bedeutung
erlangen würden.

Abschließend betonte Gatterer, es gehe vor allem auch darum, „welches
gestalterische Miteinander, welche Art von Zukunft“ es gebe. Und:
„Zukunft wird lokal entschieden“.

Er warnte davor, Angst zu viel Raum zu geben. Sein Appell: „haben Sie
keine Angst, bleiben Sie flexibel, bleiben Sie offen“. Denn
Sicherheit sei nicht durch Planbarkeit zu erlangen, sondern durch
Eigenverantwortung, Flexibilität und Offenheit gegenüber dem, was
kommt.

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