Titel: Großes Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien mit dem Stern für Jean-Claude Juncker


Datum/Zeit: 10/19/2021 04:11 PM


Meldungstext: OTS167 5 CI 0812 NRK0009 II 19.Okt 21

Kommunales/Wien/Ehrung/International/Europa

Großes Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien mit dem
Stern für Jean-Claude Juncker
Utl.: Bürgermeister Ludwig überreichte Auszeichnung an ehemaligen
Präsidenten der Europäischen Kommission und langgedienten
Luxemburger Regierungschef =

Wien (OTS/RK) - Das Bussi und die Umarmungen waren während seiner
Amtszeit so etwas wie ein Markenzeichen. Ebenso leidenschaftlich wie
die Begrüßung von Staatschef*innen, Kommissionsmitgliedern oder
Gastgeber*innen bei Auslandsreisen ausfiel, war auch die EU-Politik
von Ex-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Heute, Dienstag,
wurde der langgediente EU-Politiker und langjährige Regierungschef
des Großherzogtums Luxemburg im Wiener Rathaus mit dem Großen
Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien mit dem Stern
ausgezeichnet.

Bürgermeister Ludwig hob in seiner Rede anlässlich der Ehrung
„eines großen Europäers, aber auch eines großen Freundes der Stadt
Wien“ die Leistungen Junckers hervor: Er hätte als Vorsitzender der
Euro-Gruppe und als Kommissionspräsident die EU in Zeiten der
Finanzkrise, über den Brexit bis hin zum Handelsstreit mit Donald
Trump durch besonders turbulente und herausfordernde Zeiten geführt:
„Jean-Claude Juncker war und ist ein großer Freund Österreichs und
Wiens. Er hat sich schon während des österreichischen EU-Beitritts
stark engagiert. Er ist persönlich nach Österreich gekommen, um
Skepsis und Sorgen zu zerstreuen“, erinnerte Ludwig. Juncker habe das
europäische Projekt stets als ein Friedensprojekt begriffen – als
Antithese zu Nationalismus, Diktaturen, Holocaust und Krieg in Europa
im 20. Jahrhundert, sagte der Bürgermeister.

In seiner Laudatio beschrieb Bundespräsident a.D. Heinz Fischer
Präsident Juncker als „großen Europäer, ein Politiker mit Charakter,
klarer Haltung und Weltanschauung“. Juncker hätte ein „Sensorium für
soziale Fragen und eine „menschliche Haltung zum Thema Migration.“
Fischer blickte auf die lange und erfolgreiche EU-Politik Junckers
zurück: In den 1990er-Jahren verhandelte er als Vorsitzender des
Rates der Finanz- und Wirtschaftsminister der Europäischen
Gemeinschaft den Maastrichter Vertrag mit und trieb die Umgestaltung
der EG zur Europäischen Union voran. Als Kommissions-Chef ab 2014
verfolgte er eine nachhaltige Wirtschaftspolitik und setzte sich für
die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit und die Forderung nach
einem Mindestlohn in allen EU-Mitgliedsstaaten ein. Sein
diplomatisches Verhandlungsgeschickt stellte Juncker gegen Ende
seiner Amtszeit unter Beweis: Mit dem damaligen US-Präsident Donald
Trump handelte er 2018 einen „Deal“ aus, der Strafzölle auf
europäische Automobil-Importe abwendete.

Jean-Claude Juncker bedankte sich augenzwinkernd für die lobenden
Worte von Bürgermeister und Bundespräsident a.D. – es sei „ein
genussvolles Ereignis“ für den Geehrten solchen Reden zu lauschen,
auch wenn es sich ein bisschen anfühle wie ein verfrühter Nachruf,
scherzte Juncker. Er betonte die vielen, auch persönlichen
Verbindungen mit Österreich und Wien. Er appellierte an den
Zusammenhalt in Europa, insbesondere unter kleinen Ländern. Die
könnten durchaus auch selbstbewusster gegenüber größeren
EU-Mitgliedern auftreten, denn: „Ein kleiner Floh kann einen Löwen
zum Wahnsinn treiben, umgekehrt ist das nicht so einfach möglich.“
Juncker warnte vor dem wachsenden Einfluss von Populisten und
Nationalisten: „Populisten und extreme Rechte sind eine Gefahr für
Europa, der man sich entschieden entgegenstellen muss.“ In Europa
müssen Rechtsnormen gelten, nicht das Recht des Stärkeren –
andernfalls seien die kleinen Staaten die Verlierer, sagte Juncker.
Auch für die österreichische Innenpolitik hatte Juncker mahnende
Worte parat – insbesondere zu den publik gewordenen Chats des
zurückgetretenen Bundeskanzlers. Er kritisierte die Art, Politik zu
machen, die aus den Chats herauszulesen sei. Die internationale
Reputation Österreichs stehe auf dem Spiel – Europa brauche
Österreich und umgekehrt, mahnte Juncker.

Jean-Claude Juncker war schon mehrmals in Wien zu Gast, in
unterschiedlichen Funktionen: Noch als Premierminister des
Großherzogtums Luxemburg und trug sich Juncker im Juni 2001 im
Goldenen Buch der Stadt Wien ein. Bei seinem Besuch betonte er die
wichtige Rolle Wiens bei der damals bevorstehenden EU-Erweiterung
nach Mittel- und Osteuropa. Seinen jüngsten Besuch in der Stadt
absolvierte er im Mai 2019, als er als Gastredner bei der Tagung des
Europäischen Gewerkschaftsbundes auftrat. Im Oktober 2018 besuchte er
als EU-Kommissionspräsident den Wiener Stadttempel in der
Seitenstettengasse, wo er ein klares Statement zur Bekämpfung des
Antisemitismus setzte.

Zwtl.: Zur Person

Jean-Claude Juncker wurde 1954 geboren. Nach der Matura trat der
Luxemburger der Christlich-Sozialen Volkspartei (CSV) bei. Der
studierte Jurist übernahm 1979 das Amt des Fraktionssekretärs der CSV
in der luxemburgischen Abgeordnetenkammer. 1982 wurde er
Staatssekretär für Arbeit und soziale Sicherheit. Es folgten Aufgaben
in der EU-Politik in den 1990er Jahren, unter anderem als
Vorsitzender des Rates der Finanz- und Wirtschaftsminister der EG.
1995 wurde Juncker Regierungschef in Luxemburg und bekleidete das Amt
19 Jahre. 2005 bis 2013 war Juncker der Vorsitzende der sogenannten
„Euro-Gruppe“, ein wichtiges Beratungsgremium der
Finanzminister*innen der Euro-Zone. Im Juni 2014 wurde er zum
EU-Kommissionspräsidenten nominiert und vom Europäischen Rat und
EU-Parlament bestätigt. Das Amt bekleidete Juncker vom 1. November
2014 bis 31. Oktober 2019.

Juncker wurde 2010 das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die
Republik Österreich verliehen. Außerdem ist der überzeugte Europäer
Ehrenbürger mehrerer europäischer Städte und Träger von
Ehrendoktoraten einer Reihe europäischer Universitäten. 2006 wurde er
mit dem Karlspreis der Stadt Aachen geehrt.

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